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MCS für Ärzte


Die Multiple Chemical Sensitivity (MCS) wird oft verwechselt mit den Begriffen "Multiple Chemical Sensitivities" und "Chemical Sensitivities", beides umfassenden Begriffe für alle Arten Chemischer Sensitivität (siehe auch in der NAV-Leiste unter "Verschiedene Arten Chemischer Sensitivität"). Die MCS ist charakterisiert als atypische Reaktion einer Minderheit, welche in geringer Dosis - weit unterhalb der arbeitsmedizinischen Grenzwerte - durch inhalativ aufgenommene chemische Trigger exponiert ist. Primär sollten - triggerabhängig - zentralnervöse Reaktionen auftreten. Der hypersensible Zustand muß sich chronifiziert haben und darf durch keine andere Krankheit bedingt sein. Die Symptome müssen Krankheitswert haben.

Es gilt weiterhin das Prinzip der Ausschlußdiagnostik. Diese sollte insbesondere die Suche nach entzündlichen Grunderkrankungen berücksichtigen. Der Nachweis genetischer Varianten bestimmter Entgiftungsenzyme kann nicht die Diagnose einer MCS begründen (Brockmöller). Es gibt bisher leider keine spezifischen durch die GKV erstattungsfähigen Arzneimittel zur Therapie einer MCS.

Die MCS ist in der für die Diagnose und für die Abrechnung von kassenärztlichen Leistungen verbindlichen ICD10 GM Alpha mit der Kennung T78.4 zu verschlüsseln. Sie ist damit dem Kapitel 19 (Vergiftungen und Verletzungen) zugeordnet. Eine Zuordnung zum Kapitel 5 (Psychische und Verhaltensstörungen) ist dagegen auch künftig nicht vorgesehen. (Schriftliche Auskunft vom DIMDI vom 11.8.2008, Az.: K10.105)

Eine MCS-Symptomatik kann - mit Ausnahme der Gesetzl. Unfallversicherung - in allen Bereichen der Sozialversicherung berücksichtigt werden, d.h. die Patienten können arbeitsunfähig krank, erwerbsgemindert oder erwerbsunfähig sein (Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt, 2002, A2474; erarbeitet als Positionspapier vom Arbeitskreis „Klinische Umweltmedizin“ der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.. Entsprechend hat sich auch der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung e.V. geäußert.).

MCS ist in den USA seit 1992 und in Deutschland seit 1996 als Behinderung i.S. des SGB IX anerkannt (Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag, vom 27.11.96, Ziff. 18.4 Versorgungsmedizinverordnung i.d.F der 1. Änderungs-VO, Urteil des Bundessozialgerichtes). Die Neufassung enthält nun zum FMS, zur MCS und zum CFS nicht mehr das Wort "Somatisierungssyndrome" und zusätzlich die Möglichkeit "ähnliche Syndrome" als Behinderung anzuerkennen. (s.a. Schrb. des BMA vom 21.11.08, IVc3-96-MCS). Durch MCS Behinderte haben grundsätzlich Anspruch auf Inklusion, damit auch auf berufliche Rehabilitation und auf einen behindertengerechten Wohnraum, wenn dies notwendig ist.

Es werden auf der Basis einer Empfehlung des Internationalen Programms für Chemikaliensicherheit -IPCS- (WHO - UNEP - ILO) durch das Umweltbundesamt weiterhin Vermeidungsstrategien bezogen auf die geringen symptomauslösenden Trigger empfohlen. Eine soziale Ausgrenzung der durch MCS Behinderten sollte möglichst vermieden werden (Pressemitteilung des Umweltbundesamtes aufgrund des Ergebnisses des auf Einladung des BMG durchgeführten sogen. IPCS-Workshops 1996 in Berlin. Die DGMCS e.V. empfiehlt das Meiden von Entzündungstriggern, auch von Feinstaub und eine antiinflammatorischen Ernährung.

Auch chronische bzw. rezidivierende entzündliche Reaktionen des ZNS führen i.d.R. zur Unzumutbarkeit einer Arbeit.

Je nach Gestaltung des Einzelfalles kommen insbesondere folgende Sozialleistungen in Betracht: der Mehraufwand für eine behindertengerechte Wohnung (§ 55 Abs. 2 Nr. 5 SGB IX), in bestimmten Fällen auch eine innerbetriebliche Umsetzung, ein Einzelarbeitsplatz, ein Heimarbeitsplatz, usw. Auch arbeitsfördernde Maßnahmen der Arbeitsagentur oder des Leistungsträgers nach dem SGB II (Jobcenter, oä.) können einer beruflichen Eingliederung am Arbeitsplatz dienlich sein, z.B. Lohnzuschüsse an den Arbeitgeber oder technische Maßnahmen am Arbeitsplatz, wie HEPA-Luftreiniger.

Bedingt durch MCS kann in manchen Fällen die Verfügbarkeit auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt so eingeschränkt sein, daß kein Anspruch auf Leistungen nach dem SGB III oder dem SGB II besteht und Erwerbsunfähigkeit vorliegt (Unanfechtbarer Beschluß des Bayer. Landessozialgerichtes).

Es bestehen Mängel bei der Diagnose und Begutachtung der von MCS betroffenen Patienten. Diese brauchen sich nur bei mit MCS besonders erfahrenen Gutachtern vorstellen (Plenar-Beschluß des Deutschen Bundestages und Beschluß des Bayer. Landessozialgerichtes).

Da MCS eine sehr seltene Gesundheitsstörung ist, sehen wir leider keine Möglichkeit, etwa alle 300.000 niedergelassenen und angestellten Ärzte über den Stand der Wissenschaft und die Rechtslage bzgl. MCS zu informieren. Ich kann nur in Einzelfällen in Form von schriftlichen Auskünften oder beratend tätig werden.

Ärzte, Kliniken, Gerichte, Behörden und Sozialversicherungsträger, usw., erhalten auf Anfrage von uns kostenlos einen ausführlichen Arztbrief zum Stand der Wissenschaft und zur Rechtslage als PDF-Datei. Hinweise für die Diagnostik, zur Verschlüsselung der Diagnose MCS nach der ICD 10 2019 GM Alpha/Diagnosenthesaurus, zur Feststellung einer Behinderung i.S. des SGB IX, finden Sie in unserem Arztbrief und auf der Seite "Fallkriterien".

Deutsche Gesellschaft Multiple-Chemical-Sensitivity e.V., Bayreuth
- Bundesorganisation gem. § 20 c Sozialgesetzbuch V

Dipl.-Verwaltungsw. Heinz A. Guth, geschäftsführender Bundesvorstand

Auskünfte für Richter, Ärzte, Behörden, Presse: Tel.: 0921 1500 167
Mail: info@dgmcs.de (bitte im Betreff den Begriff "MCS" angeben)